Innovationen in der Energiewirtschaft


„Wachstum ist ein Prozess schöpferischer Zerstörung.“ – so treffend hat es Joseph Alois Schumpeter, der Vater des Innovationsmanagements, schon vor hundert Jahren geschrieben. Die Zerstörung des eigenen Geschäftsmodells, verbunden mit enormem Wachstum neuer Mitbewerber, sieht man immer wieder über alle Branchengrenzen hinweg. Ein paar klassische Beispiele sind Xerox, Kodak oder auch Nokia – ehemals geradezu monopolistische Branchenführer, welche die entscheidende Marktdisruption verpasst haben und wenige Jahre später praktisch nicht mehr relevant waren.

In der deutschen Energiebranche kennt man das Gefühl einer ständigen Störung der Geschäftsmodelle schon. Unsere Branche wurde schon immer politisch beeinflusst, egal ob der Kohlepfennig in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts oder die EEG-Umlage der 2000er Jahre. Die gewollte und geführte Veränderung in Richtung Erneuerbarer Energien stört das Geschäftsmodell großer fossiler Kraftwerksbetreiber. Die Liberalisierung des Strommarktes, die regulierte Entflechtung der Branchenrollen Versorger und Netzbetreiber störten das klassische Geschäft der Monopolisten, aber ermöglichten hunderten neuen Versorgern den Zugang zum Markt.

Heutzutage stehen der Smart Meter Rollout und die Rolle des (wettbewerblichen) Messstellenbetreibers kurz vor dem Start und öffnen einen ganz neuen Markt rund um Echtzeit-Energiedaten, Komfortsteigerung im Smart Home und Energieeinspeisung, Stromspeicher sowie Elektromobilität.

Doch wo sollen die Energieversorger, Netzbetreiber und Stadtwerke ansetzen? Wie kommt man vom immer weniger Marge generierenden Energievertrieb zum Versorger der Smart City und Daseinsvorsorge 4.0? In dieser Reihe von Blog-Beiträgen möchte ich über methodisches und kreatives Innovationsmanagement in der Energiebranche sprechen.


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Starten wir damit, was Innovationen eigentlich sind: die erfolgreiche Vermarktung von Ideen, Erfindungen, Patenten. Der springende Punkt ist die erfolgreiche Vermarktung. Ein starkes Ideenmanagement und großer Erfindergeist sind schön und gut, aber die Etablierung auf dem Markt ist entscheidend für nachhaltigen Erfolg – der Rubel muss rollen. Das Innovationsmanagement ist also die Schnittstelle und der Prozess zwischen Idee und Prototyp auf der einen Seite sowie Vertrieb und Marketing auf der anderen Seite. Allein an dieser Verortung ist die Relevanz eines nachhaltigen Innovationsmanagements für Unternehmen schon abzulesen.

Was sind Voraussetzungen für Innovationen? Mitarbeiter müssen erfinden, tüfteln, basteln und probieren dürfen, müssen und können. Die Freiheit, kreative Ideen zusammenzuführen und einfach mal leben zu lassen, einen Prototypen zu erstellen und auszutesten und im Zweifel auch zu scheitern, ist entscheidend und muss „von Oben“ ermöglicht werden. Nicht jedes Unternehmen braucht ein ständiges Innovationslabor, aber muss seinen Mitarbeitern immer wieder die Gelegenheit geben, die eigenen Produkte und Services, sowie die Unternehmenskultur weiter zu entwickeln.

Aber passiert das dann von alleine? Können meine Mitarbeiter das? Natürlich entstehen Innovationen – wir erinnern uns an den Faktor erfolgreiche Vermarktung – nicht einfach so. Gute Ideen und Ansätze für Prototypen entstehen oft durch Workshops mit moderierten Kreativitätsmethoden. Und mit diesen Kreativitätsmethoden geht es im nächsten Beitrag weiter.