Die Stadtwerke-Studie 2015


Der Branchenverband BDEW und die WIrtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young haben die 2015er Edition der deutschsprachigen Stadtwerke-Studie (pdf) veröffentlicht. Ich werde hier auf die Ergebnisse und Anregungen für Österreich und die Schweiz verzichten und mich auf Deutschland konzentrieren.

Für diese Studie wurden 160 GeschäftsführerInnen und Vorstände von Stadtwerken und Energieversorgungsunternehmen zu Beginn des Jahres 2015 befragt. Mehr als 70% benennen unklare rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen als das größte Hemmnis für die Realisierung von Innovationen.

Stadtwerke haben erkannt, dass Innovationen für eine wirtschaftlich tragbare Zukunft notwendig sind, allerdings stehen oftmals das Tagesgeschäft und der von den meist kommunalen Eigentümern ausgehende Anspruch eines kontinuierlichen Geldstroms im Weg. Die Stimmung in den Chefetagen ist nichtsdestotrotz gestiegen: fast zwei Drittel der Befragten erwarten ein gutes Geschäftsjahr 2015.

Während für die weitgehend dezentrale Erzeugung die Entwicklung des EEG und des KWKG beachtet wird, ist das zukünftige Strommarktdesign gerade für die Betreiber konventioneller Kraftwerke entscheidend.

Die Befragten benannten die Bereiche Optimierung, Absatz, Marketing und Kundenbetreuung als die wichtigsten Unternehmensbereiche für eine erfolgreiche Zukunft. Darüber hinaus werden die Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und „smarte“ Technologien als essentiell erwähnt. Innovative Geschäftsfelder sollen vor allem in digitalen Technologien gefunden werden: für die Stadtwerks-Kunden wird der Begriff „front office“ neu gedacht – Onlineplattformen, allgegenwärtige Präsenz und der Kontakt zum Stadtwerk als „Erlebnis“.

Nicht nur die Erzeugungsseite schwankt durch volatile Stromquellen – auch auf der Verbraucherseite verschwindet das klassische Familien-Standardlastprofil und wird durch dynamische Verbraucher ersetzt. Daher müssen die Verteilnetze den Strombedarf flexibel je nach Einspeise- und Nachfragesituation transportieren. Energie- und Informationsflüsse müssen in Echtzeit bidirektional gewährleistet werden – Strommengen werden zur Laststeuerung und Abrechnung jederzeit erfasst. Darüber hinaus wird Stromspeichern ein großes Potenzial zugeschrieben, sodass sich bereits jedes sechste Stadtwerk mit power-to-gas und power-to-heat beschäftigt.

Die Suche nach dem einen „killer product“ scheint nicht realistisch. Hingegen müssen die Versorgungsunternehmen ein gesundes Portfolio aus Speicherprodukten, Energiemanagement, Energiecontrolling und -dienstleistungen aufbauen, Effizienzen steigern und Kosten reduzieren. Daher wird es gerade für Dienstleistungsunternehmen attraktiv, Standardprozesse und neue Beratungsprodukte anzubieten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Markt sich ständig erweitert (virtuelle Kraftwerke werden neue Konzepte ermöglichen) und die Digitalisierung sowie Gesetzgebungsprozesse fortwährend neue Rahmenbedingungen setzen. Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen sind gut beraten, die Wettbewerbslandschaft stets zu verfolgen und Markttrends ernst zu nehmen.